Glattbügeln.Ausbügeln.Festbügeln.Abbügeln.Formbügeln. Ist Bügeln gleich Bügeln oder gibt es da Unterschiede?


Natürlich gibt es Unterschiede. Aber worin genau besteht der Unterschied?
Dieser Frage gehe ich heute auf den Grund.

Beim Glattbügeln richtet man die Fasern im Gewebe auf und presst diese.  Dies macht man in der Regel vorm Zuschnitt. Man bügelt den Stoff sozusagen durch, um Liegebrüche und Knitter zu entfernen. Damit ist kurz und knapp auch der Begriff Durchbügeln in der Hobbyschneiderei erklärt. In der industriellen Bekleidungsproduktion wird mit diesem Begriff  auch eine Bügelprobe in der Wareneingangskontrolle verbunden.

Festbügeln, Formbügeln und Ausbügeln sind Arbeiten, die man während der Näherei  ab und an ausführt.

Nähte, deren Nahtzugaben flach liegen sollen, und Nähte an Stellen, an die man später nicht oder nur schwer hernakommt, werden ausgebügelt.
Außerdem sagt schon eine alte Schneiderweisheit "Gut gebügelt ist halb genäht." Anders gesagt: gut ausgebügelte Nähte erleichtern und verbessern die Weiterverarbeitung.
Aber: Viel und vor allem festes Bügeln ist nicht gleich gutes Bügeln!!

Kanten, Falten, Säume und fertige Einzelteile wie z.B.  Kragen, Taschen, Patten werden festgebügelt.
Beim Festbügeln drückt man das Bügeleisen stark auf den Stoff.  Man bügelt zuerst von links  und danach von rechts. Bei nicht völlig unempfindlichen Stoffen sollte man dazu ein Tuch unterlegen, damit sich keine Glanzstellen bilden. Außerdem muß man sehr aufpassen, daß sich die Nahtzugaben etc. nicht durchdrücken. Wir lernen: Vorsicht ist geboten!

Hat man nun dummerweise doch eine glänzende Stelle in den Stoff gebügelt, dann muß man den Stoff Abglanzen. Hach , wieder so ein Fachbegriff ;-)
Auf die Glanzstelle legt man ein feuchtes Tuch und berührt nun vorsichtig mit dem Bügeleisen das feuchte Tuch. Der nun aufsteigende Glanz sollte die Fasern im Gewebe wieder aufrichten .
Hat man einen sehr empfindlichen Stoff, dann sollte man zuerst ein trockenes Tuch auflegen und darauf dann das feuchte Tuch.



Beim Formbügeln bügelt man den Stoff unter Druck und evtl. mit Feuchtigkeit, wie der Name schon sagt, in Form.
Formgebügelt weden in der Schneiderei vor allem die Vorder- und Rückenteile von Jacken und Blazern, aber auch Hosen. Das Formbügeln ist aber ein bißchen aus der Mode geraten, weil der Gebrauch von modernen, gut ausgearbeiteten Schnittmustern ein Formbügeln des Stoffes nicht mehr erforderlich macht. Deshalb sieht man auch in den modernen Nähanleitungen kaum den Begriff des Formbügelns. Ungeachtet dessen kann es ja nicht schaden, wenn man weiß um was es geht.

Das fertig genähte Kleidungsstück wird abgebügelt. Beim Abbügeln wird der Stoff nochmals geglättet, man bügelt außerdem z.B. nochmals die Bügelfalten in die Hosen und beseitigt entstandene Glanzstellen (siehe oben im Text).

Unter Dämpfen versteht man das Glätten des Gewebes ohne Druck.
Man dämpft Gewebe, die mattiert oder aufgerauht sind, d.h., bei denen kleine Faserenden vom Gewebe wegstehen und die nicht angpresst werden dürfen. Das haben wir z.B. bei Samt und Plüsch. Hier wird auf das Gewebe ein feuchtes Tuch gelegt und das Bügeleisen führt man nur ganz vorsichtig über das Gewebe.
Samt kann man bügeln, indem man das Bügeleisen hochkant hinstellt und den angefeuchteten (aber nicht nassen) Stoff an die heiße Sohle des Bügeleisens hält. Durch den aufsteigenden Dampf richtet sich der Flor wieder auf.  Zum Bügeln vom Samt gibt es auch kleine Platten mit Minizähnchen, auf die der Samt beim Bügeln gelegt wird. Aber so etwas hat man in der Regel ja nicht zu Hause.


Vorsicht bei Heftfäden! Sind Heftfäden eingezogen, darf man anfangs nur ganz leicht über den Stoff bügeln und muß dann erst einmal die Heftfäden entfernen. Es gibt Stoffe, bei denen sich die Heftfäden so fest eindrücken, daß sie nicht mehr zu entfernen sind.

Hat man einen sehr empfindlichen Stoff  bei dem sich die Nahtränder durchdrücken, kann man zum Bügeln auch ein Stück Packpapier unterlegen. Klingt seltsam, aber es erleichtert die Arbeit.

Wollstoffe, Mischgewebe und Stoffe mit synthetische Fasern werden grundsätzlich mit einem feuchten Tuch gebügelt. Ist das Tuch noch naß, muß es vorher abgebügelt werden, bevor man es auf das zu bügelnde Kleidungsstück legt.

Neben einem Bügelbrett sollte man ein Ärmelbrett besitzen.
Hilfreich ist auch ein Bügelkissen.
Wer oft filigrane Bügelarbeiten hat oder sich ein bißchen Luxus beim Bügeln gönnen will, der darf sich ein Minibügeleisen mit diversen Bügelspitzen leisten.Den Link , woman so etwas kaufen kann, füge ich bei Gelegenheit hier noch ein.

Für alle Interessierten gibts zum Schluß noch einen kleinen Ausflug in die Jahre 1908 und 1923. Viel Freude!

Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908




















Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908



















Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908




Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908

Quelle: Ullstein-Schneiderbücher, Band 6, "Wie schneidere ich Jackenkleider und Mäntel", Berlin 1923

Quelle: Ullstein-Schneiderbücher, Band 6, "Wie schneidere ich Jackenkleider und Mäntel", Berlin 1923

Quelle: Ullstein-Schneiderbücher, Band 6, "Wie schneidere ich Jackenkleider und Mäntel", Berlin 1923

Schnittkonstruktion. Ein eigener Hosenschnitt. Teil 5: Erkenntnis.

Die Frage ist und bleibt: Warum paßt die Hose nicht, obwohl alle meine Maße richtig sind?

Die Antwort ist einfach: Es liegt an der Abweichung von der sogenannten" Normalfigur".

Die Lösung: Individuell die Paßform bei jedem neuen Schnitt anpassen.


Ja, das ist nicht schön und ich hatte mir ursprünglich von meinem so schön errechneten Schnitt erhofft, daß er paßt und alle meine künftigen Hosenprobleme löst. Das bleibt aber wohl ein Wunschtraum.
Als wirklichen Gewinn aus meiner eigenen Schnittkonstruktion sehe ich für mich, daß ich verstanden habe, woran es liegt, daß eine Hose Falten wirft usw.

Aber nun der Reihe nach:
Alle Schnittmuster werden auf Basis der sogenannten "Normalfigur" berechnet. So habe ich auch gerechnet.

 Diese "Normalfigur" wird so gesehen, wie die menschlichen Körperproportionen am ehesten wohl aussehen sollen ( Hach, hab ich das schön formuliert ;-)...).Weicht ein Körper in Länge und Breite davon ab, haben wir Sondergrößen. Wir kennen das von den Maßtabellen.

Paßt meine Hose nun trotz aller richtig berechneten und gemessenen Maße immer noch nicht, so liegt das an meiner ganz individuellen Körperform.

Ich habe versucht, euch das kurz zu skizzieren:

Bei allen drei Figuren sind der Taillen- und Hüftumfang gleich. 
Wenn man das so sieht, dann wird plötzlich klar, daß, wenn die Hüfte breiter ist bei gleichem Hüftumfang an anderer Stelle weniger ist, nämlich am Po. Man spricht dann vom flachen Gesäß. Ich habe eine breite Hüfte, und so also ein flaches Gesäß. 
Ist die Hüfte schmaler als bei der Normalfigur, dann gleicht sich der Hüftumfang logischerweise am Po aus. 
Eigentlich ganz einfach.

Legt man diesen Figurquerschnitt auf einen Hosenschnitt, so kann man auch gut erkennen, wo bei welcher Figurform der Schnitt geändert werden muß.


Nun werde ich euch noch meinen selbstkonstruierten Schnitt am lebenden Objekt, nämlich mir, zeigen.

Um das nachfolgend genannte zu verstehen, sollte man noch einmal ein Blick in diesen Post werfen,denn da ist das ganze Dilemma, daß zu der häßlichen Hose im ersten Bild geführt hat, kurz erklärt. Naja, und ihr wollt ja ehrliche Bilder , oder???
Fotograf war übrigens mein Sohn mit dem Zitat: "Eh Mama, das kannste aber nicht anziehen!!!"


Die links abgebildete Hose war nach dem "Kuchenbrettschnitt" entstanden. Grauenhaft.
Welche Abweichungen sich da ergaben, könnt ihr auf dem nächsten Bild sehen, denn  ich hatte zum Vergleich  den ursprünglichen Schnitt auf den nun auf Rasterpapier exakt gezeichneten Schnitt gelegt. Mich wundert die schlechte Paßform nicht. Euch?

Gut, also wie gesagt, den Schnitt nochmal gezeichnet, neuen Stoff genommen und neue Probehose genäht.
Voila! Geht doch!
Der Stoff der Probehose ist ein sehr steifer etwas elasthischer Jeansstoff, deshalb auch die großen Falten.
Bei einem anderen Stoff wäre die Hose sicher anders gefallen. 
Ich lerne daraus: Die Paßform hängt nicht nur von der Nicht-Normalfigur ab sondern auch vom Stoff.
Und : Die Paßform unterhalb der Hüftlinie hängt auch sehr wesentlich von der Weite der Hosenbeine ab.
Aber hierauf gehe ich jetzt nicht weiter ein, das wäre "Schreib"-Stoff für einen weiteren Hosen-Post.


Das Problem bei mir skizziert:



Mein Fazit:

Das Konstruieren einer Hose mit den eigenen Maßen kann durchaus sinnvoll sein, wenn man eine "Problemfigur" hat, die sehr weit von den Standardmaßen abweicht.
Ich habe während des Rechnens und Herumprobierens gelernt, wie sich der Schnitt, später der Stoff, um meinen Körper legt. Das war lehr- und hilfreich.

Eine weitere Hose außer dieser Probehose werde ich nicht nähen, denn dieser Schnitt gefällt mir nicht. Ich kann nun einen Kaufschnitt nehmen und meinen "Maßschnitt" auflegen und vergleichen. Vielleicht sehe ich ja nun schon eher, wo Änderungen nötig sein könnten.

Falls jemand meine gesamte eigene Schnittkonstruktion nachlesen möchte, dann hier klicken.



Der erste MMM im September im Red Velvet .

Heute habe ich eines meiner Lieblingskleider aus diesem Sommer an:
Das Red Velvet Dress von Cake patterns. Im Oberteil geschnitten wie ein gut sitzendes Shirt, knapp in der Taille und dann mit einem weit schwingenden Rock....wunderbar. Ich glaube, ich nähe nächstes Jahr noch eines.

Details zum Schnitt könnt ihr hier nachlesen, ich schrieb schon mal darüber.
Die Fotos sind von gestern nachmittag, es war  so richtig schön warm, als sich ab Mittag endlich der Nebel hob.
Das große Foto ist natürlich nicht von gestern oder heute, sondern mein Sohn hat es im Sommer auf der Walhalla bei Regensburg aufgenommen. Ich zeigs euch heute trotzdem.



Heute ist der erste MMM nach der langen Sommerpause. Es gibt neue Moderatorinnen und künftig soll es auch Gastbeiträge geben. Das muß ich mir nochmal genauer ansehen. Ich freu mich auf die nächsten Monate.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei all denen bedanken, die mir vor ein paar Wochen tröstende Worte haben zukommen lassen. Meinem Vater geht es denkbar schlecht, die Chemotherapie mußte unterbrochen werden. Meinen Blog werde ich nun auch  nicht schließen, wie ich es im Sommer vorhatte. Das Nähen und darüber schreiben lenkt mich von meinen Sorgen ab und das tut mir gut. Meine Gedanken sind sowieso laufend bei meinem Vater.

Und nun noch etwas in ganz eigener Sache: Das Adventswichteln, hier klicken.
Wer mitmachen möchte, melde sich bitte bis zum Termin Anfang Oktober an, auch wenn es derzeit - zum Glück - sommerlich ist.


Ich wünsche euch eine schöne Woche,
herzlichst
Susan


Dieser Post ist verlinkt zum MMM vom 17.09.2014.